Johannes Schöllhorn (1962)

tiento (1999)

pour guitare et ensemble

  • Informations générales
    • Date de composition : 1999
    • Durée : 10 mn
    • Éditeur : Lemoine
    • Commande: Ensemble Ictus
Effectif détaillé
  • soliste : 1 guitare
  • 1 flûte, 1 clarinette, 1 basson, 1 trompette, 1 trombone, 1 piano, 1 violon, 1 violoncelle

Information sur la création

  • 18 September 1999, France, Asnières-sur-Oise, Abbaye de Royaumont, par Thierry Mercier et l’ensemble Ictus, direction : George- Elie Octors.

Note de programme

Gegen Ende des 16.Jahrhunderts fand die noch junge Entwicklung der "reinen" Instrumentalmusik in der Form der Fantasie zu einem wichtigen Höhepunkt. Vor allem in Fantasien über die Töne des Hexachords (mit dem cantus firmus "ut re mi fa sol la") und anderen häufig auftretenden cantus firmus eröffneten sich den Komponisten ungeahnte neue Möglichkeiten. Im Zentrum meines Stückes steht zunächst der Begriff des "tiento" (span., tentar - befühlen, tasten, suchen): das leichte Berühren der Saiten, des Instruments, der Instrumente untereinander und - damit zusammenhängend - die verschiedensten Transformationen gitarrentypischer Artikulationsweisen. Vom Soloinstrument Gitarre, dessen Klangfarbe eine Brücke zur Lautenmusik der Spätrenaissance bildet, ist die gesamte Faktur der übrigen Instrumente abgeleitet. Sie wird zum beweglichen Zentrum des Ensembles, von dem unterschiedlichste Fäden zu den übrigen Instrumenten gespannt werden. Für "tiento" wurde eine ältere Komposition, quasi als cantus firmus aufgegriffen und neu ausgearbeitet. Zwei Aspekte der Phantasie treten dabei in den Vordergrund: zum Einen sind die Formteile des Stücks auf historische Fantasie-Vorlagen bezogen (zum Beispiel von Dowland, Bull, oder Parsons). Diese bilden "Referentiale", zu denen sich das Stück auf sehr unterschiedliche Weisen in Beziehung setzt: von der Übernahme eines Aspekts bis hin zum wörtlichen Zitat. Andererseits gibt es eine prinzipielle Beziehung, da das Stück mit der Spannung zwischen der Freiheit des Einfalls und der kunstvollen Regelbefolgung, die für die Fantasie der Spätrenaissance charakteristisch ist, arbeitet.


At the end of the sixteenth century in the young life of "pure" instrumental music the form of the fantasia was developed. Many of these fantasias were written on the cantus firmus of the hexachord (ut re mi fa sol la) and other famous cantus firmus, which gave new possibilities to the composers apart from vocal music. My piece is based on the idea of "tiento" (span., tentar - touch, feel, search): to touch the strings, the instruments, the contact between the instruments and - connected with that - the different ways of transforming the typical articulations of the guitar. The solo instrument guitar determines the setting of all the other instruments. "tiento" is connected with two different aspects of the renaissance fantasia: the different parts of the piece are related to historical fantasias (by Dowland, Bull, Parsons and others). They are referentials: from picking up a single aspect to direct quotation. On the other hand there is a principal relation, because the piece is playing with the tension between the freedom of invention and the inventive way of following strict rules.

Johannes Schöllhorn.