Arnulf Herrmann (1968)

Roor (2005)

pour trombone

  • Informations générales
    • Date de composition : 2005
    • Durée : 07 mn
    • Éditeur : Peters, Francfort
  • Genre
    • Musique soliste (sauf voix) [Trombone]
Effectif détaillé
  • 1 trombone

Information sur la création

  • 11 August 2006, Allemagne, Darmstadt, par Uwe Dierksen.

Note de programme

2 Bilder – das Instrument gewissermaßen aus entgegengesetzten Richtungen aufgenommen – waren bestimmend für meinen Umgang mit der Posaune in ROOR:

I) Die Posaune (mit Quartventil) verfügt über 11 verschiedene Positionen oder Grundtöne im Halbtonabstand. Jede Position steht für eine Rohrlänge, mit einem Grundton und entsprechender Obertonreihe. Man kann die Posaune also als eine Art Orgel, als ein Bündel verschiedener Rohrlängen betrachten. Statt jedoch nur die in der Posaunentechnik üblichen 11 Positionen zu verwenden, habe ich mir ein sehr dichtes Netz an Tonhöhenbezügen geschaffen, indem ich die Zwischenräume zwischen den Positionen noch einmal unterteilt habe (mit jetzt viertel- statt halbtönigen Zugpositionen). Der Posaunist spielt nun – in Erweiterung seiner gewohnten Handlungsabläufe - auf 21 Rohren. Die poetische Idee dahinter war, eine Art Gesang der Rohre zu komponieren – ein girlandenartiges Gewebe in hohem Tempo. Es werden immer mehrere Töne auf derselben Zugposition gespielt und dazwischen über den Zug im raschen Wechsel auf andere Rohre/Instrumente umgeschaltet.

II) Der Blick aus der entgegengesetzten Richtung auf die Posaune betrachtet sie nicht als Sammlung diskreter Instrumente bzw. Rohrlängen, sondern wie einen verformbaren Körper, eine in der Größe variable Blase. Durch die Möglichkeit stufenloser Glissandi kann die Posaune eine Art räumliches Kontinuum herstellen. Das enorm körperliche eines Posaunenglissandos z.B. gegenüber einem Streicherglissando liegt u.a. in der Tatsache begründet, dass sich bei der Posaune tatsächlich während des Glissandos der gesamte Körper mit verformt (wie ein sich-aufblasender und zusammenziehender Ballon). Die Größe der schwingenden Luftsäule schwankt hierbei enorm. Dieses sich-Zusammenziehen und sich-Weiten habe ich auskomponiert: ein musikalischer Verlauf, der zum Ausgangspunkt nimmt, welches Volumen in welcher Zeit durchschritten wird - und wie groß oder wie klein der klangerzeugende Körper ist.

Zwei technische Aspekte, die ansatzweise beschreiben, in welche Richtung mein Blick auf das Werkzeug Posaune beim Schreiben von ROOR gelenkt war. Diese Überlegungen waren natürlich nur Vorüberlegungen zur Komposition und doch sind sie gleichzeitig eng verknüpft mit der Art und Weise, mit der ich mich dem Körper des Instrumentes genähert habe.

Arnulf Herrmann.